Reisebericht Lissabon

Lissabon, dieses Juwel am Tejo haben wir schon lange auf unsere Liste für Städtereisen gehabt, und jetzt konnten wir die portugiesische Hautpstadt endlich besuchen. Wie eine Liebeserklärung klingen die Worte des Schriftstellers Fernando Pessoas: "Für den Reisenden, der sich auf dem Seeweg nähert, erhebt sich Lissabon – wie ein schönes Traumgesicht. Gestochen scharf steht es vor einem strahlend blauen Himmel, den die Sonne mit ihrem Gold erheitert."

Auf der Suche nach dieser malerischen Kulisse in goldener Sonne, sind wir zur Stadt am Atlantik aufgebrochen und haben uns einen kurzen Urlaub gegönnt. Eine obligatorische Fahrt mit der Electrico Nr. 28 steht ebenso auf dem Programm, wie Spaziergänge in der Altstadt und Belem oder ein Besuch auf dem Gelände der Weltausstellung mit dem ozanischem Aquarium.

Die Electrico Nr. 28

Vorn kurbelt der Fahrer, ein kurzes Klingeln ertönt und die Magnetbremsen lösen sich. Langsam ruckelt die Straßenbahn Nr. 28 durch die engen Gassen Lissabons. Wir haben Glück, denn normalerweise ist dieses Highlight eines jeden Lissabon-Besuch überfüllt, aber unser Hotel in Lissabon liegt nahe der Endhaltestelle und so können wir als fast als erste mit einsteigen. Die Stadt mit diesen zweiachsigen Oldtimern zu erkunden gehört sicher zu den schönsten Erlebnissen, denn so nah kommt man Stadt und Menschen kaum woanders.

Von der Kirche da Graca fahren wir mit quietschenden Rädern die steile Rua da Voz do Operário hinab zum Kloster Sao Vicente de Fora. Danach wird es im Stadtteil Alfama immer enger, rücken die Häuser immer näher an die Gleise. Um durch die engen Kurven zu kommen, schwenken die Gleise immer wieder kurz auf die Gegenfahrbahn. Bis in der Rua das Escolas Gerais nur noch Platz für eine Bahn ist. Die entgegenkommende muss warten – mit südeuropäischer Gelassenheit verstreicht aber auch diese Zeit.

Brücke über den Tejo

In den Strassen Lissabons geht es ständig bergauf und ab. Die dadurch entstandenen, verwinkelten Gassen gehören zu den Reizen, welche die Stadt  ihren Gästen zu bieten hat. Das Problem dabei ist: die Einwohner laufen nicht allzu gerne bergauf und bergab. Als Lösung erklimmen Kabelbahnen die steilsten Gassen in der Stadt. Die Kabelbahnen sind ein beliebtes Fotomotiv für Fotografen und so manches mal stellt sich die Frage, gibt es nun mehr Fahrgäste oder mehr Fotografen. Für jeden Urlaub in Lissabon ist eine Fahrt mit diesen Kabelbahnen ein unbedingtes MUSS.

Kabelbahnen durchziehen die steilen Gassen der Stadt

Wir erreichen das berühmte Viertel Alfama, dass mit seinen engen, steilen Gassen und Gässchen das alte Lissabon zeigt. Die vielen kleinen Läden laden zum Verweilen ein, haben aber nicht den Schick große Touristenmassen anzulocken, und haben vielleicht gerade deshalb ihren ganz besonderen Reiz. Es ist das älteste Viertel Lissabons und wir können als ganz besonderes Ziel die Patios empfehlen, große Höfe die wie kleine Dörfer innerhalb der Stadt wirken und ihren ganz eigenen Mikrokosmos beherbergen. Hier können, inmitten der Großstadt, noch Kinder ungestüm dem Ball nachjagen und einfach Kind sein.

Kolumbus-Statue

Überhaupt hat Lissabon so viel zu bieten, dass ein Wochenende nicht ausreicht. Ob Castelo de Sao Jorge, dass sich hoch über Stadt mächtig erhebt, Catedral Sé Patriarcal oder Torre de Belém, es gibt viel zu sehen, viel zu bestaunen. Überall locken dazu Restaurants zum Einkehren und bieten die kulinarischen Köstlichkeiten der portugiesischen Küche feil. Besonders abseits der großen Strassen gibt es viele kleine Restaurants die auch für wenig Geld wirklich leckeres Essen anbieten. Es gibt jedoch nur wenige originäre Lissabonner Spezialitäten, die nicht auch anderswo angeboten werden. Die Portugiesische Küche basiert auf deftigen und traditionell zubereiteten Gerichten unter Verwendung von Fleisch, Fisch, Gemüse, Reis, Bohnen und Kartoffeln. Der Stockfisch ist sowohl Spezialität als auch ein Nationalgericht Portugals.

Lissabon von der Seeseite her

Für den letzten Tag haben wir uns etwas Besonderes aufgehoben, dass Oceanário de Lisboa, dass sich auf dem Expo 98 Gelände befindet. Durch seine Lage am Atlantik hat Portugal, und insbesondere Lissabon, eine lange Verbindung mit dem Meer. Nirgends ist dies offensichtlicher als im gigantischen Aquarium, dessen Mission es ist, die Besucher aufzuklären, Wissen zu vermitteln und Lösungen zu präsentieren wie die täglichen Gewohnheiten geändert werden können, um die Natur zu bewahren und zu schützen.

Das Gebäude erstreckt sich über zwei Etagen um das große Hauptbecken herum. Dieses beherbergt neben mehreren Arten von Haien und Rochen auch je einen Schwarm Thunfische und Sardinen sowie einen Mondfisch. Neben dem Hauptbecken sind in vielen kleineren Aquarien spezifische Meeresbewohner aus allen Ecken der Weltmeere zu sehen. Die vier Ecken des Oceanário nehmen Nachbildungen bestimmter Regionen ein, so gibt es beispielsweise eine Antarktis-Ecke mit Pinguinen und künstlichem Gletscher, ein Bassin mit einem Seeotterpärchen und eine „Mangrovenwald“-Ecke.

Das Ozeaneum in Lissabon

Es ist einfach nur beeindruckend und wunderschön diese Vielzahl an Meerestieren zu sehen und die Eleganz zu bewundern. Für moderate 13 Euro für Erwachsene und 9 Euro für Kinder, ist der Besuch auch für Familien erschwinglich – und es ist garantiert ein unvergessliches Erlebnis.

Mit der Metro geht es dann zurück in unser Hotel, wo wir noch schnell Sachen packen müssen. Wenig später wartet das Taxi unten, wir checken aus und werden zum Flughafen gefahren. Als Fazit nehmen wir mit: Lissabon ist eine herrliche Stadt mit einem ganz eigenen Flair aus südeuropäischer Gelassenheit und Weltoffenheit durch die Lage am Meer. Wir haben schon zahlreiche Reiseberichte über die portugiesische Hauptstadt gelesen, doch das es so schön, so interessant sein würde, das hätten wir nicht gedacht. Etwas wehmütig heben wir ab und nehmen uns vor, nochmal diese Perle am Tejo zu besuchen.

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