Kreuzfahrttourismus in Venedig

Zusammenfassung: Für Kreuzfahrt-Touristen, die durchs Mittelmeer schippern, zählt ist die Fahrt vorbei am berühmten Markusplatz in Venedig zu den absoluten Highlights. Doch genau das verbietet die Stadt jetzt – denn die Riesenschiffe schaden der Bausubstanz und der Umwelt. Nicht der einzige Schritt in Venedigs Kampf gegen Overtourism.

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Tourismus in Venedig

Dass Venedig unter Touristenmassen ächzt, ist kein Geheimnis: Allein für den August werden 2,2 Millionen Übernachtungsgäste erwartet, dazu noch 465.100 Tagesbesucher und 32 000 Gäste von Kreuzfahrtschiffen – täglich, wohlgemerkt. Noch fahren die Riesen in die Lagune ein, vorbei am Markusplatz (Piazza San Marco) und am historischen Zentrum durch den Canale della Giudecca. Doch damit ist ab sofort zumindest teilweise Schluss.

Wie die „CNN“ berichtet, sollen einige der Schiffe bereits ab nächstem Monat zu den Docks Fusina und Lombardia umgeleitet werden, wie der italienische Verkehrsminister der Zeitung mitteilte. Diese liegen auf der anderen Seite der Lagune und damit weiter entfernt von den zentralen Inseln. „Wir werden die Anzahl der Schiffe, besonders der großen, die an San Marco und Giudecca vorbei fahren, ab sofort reduzieren“, sagte der italienische Minister für Transport und Infrastruktur, Danilo Tonelli.

Weiterhin Uneinigkeit über Routen

Bis 2020 wolle man ein Drittel aller bereits auf Venedig gebuchten Kreuzfahrtschiffe auf diese Weise umleiten. In einer öffentlichen Sitzung solle auch besprochen werden, wie man das Problem mit den Kreuzfahrtschiffen langfristig lösen könnte – so käme zum Beispiel auch eine künftige Benutzung des an der Einmündung der Lagune gelegenen Terminals Chioggia infrage. Der Entscheidung vorangegangen waren heftige Proteste der Einheimischen gegen den Overtourism.

Der Weltverband der Kreuzfahrtindustrie CLIA sieht das Vorhaben noch nicht als endgültig an, wie uns auf Anfrage durch die CLIA Deutschland mitgeteilt wurde. In dem Statement heißt es: „Es gibt aktuell keinen Bann, der Kreuzfahrtschiffe daran hindert, nach Venedig zu fahren. Diskussionen über die Zukunft der Schiffe finden bereits seit Jahren statt, ohne dass es dazu bislang ein konkretes Ergebnis gegeben hätte.“ Als beste Alternative für die jetzige Route über den Giudecca-Kanal sehe man die Strecke über den Wasserarm Canale Vittorio Emanuele III an.

– so hieß es in einer Stellungnahme, es habe dazu noch keine finale Entscheidung gegeben. Als mögliche Alternative zur Querung des Giudecca-Kanals sehe man in Übrigen den Canale Vittorio Emanuele III. Diese Route ist bereits seit zwei Jahren in der Diskussion. Pro Jahr laufen aktuell etwa 500 Kreuzfahrtschiffe Venedig an.

Zudem wurden auch die Sicherheitsanforderungen für Kreuzfahrtschiffe erhöht, nachdem die „MSC Opera“ im Juni ein Dock rammte. Im September tritt auch noch eine andere Änderung im Kampf gegen zu viele Touristen in Kraft: Ab dann müssen Tagesgäste ein „Eintrittsgeld“ von bis zu 10 Euro für den Besuch von Venedig bezahlen.

Viele Probleme durch die Kreuzer

Nicht wenige der Kreuzfahrtschiffe, die Venedig anlaufen, sind höher als die höchsten Gebäude der Stadt. Viele Venezianer empfinden die Kolosse als Schandflecke in der einzigartigen Architektur der Stadt. Aber es ist nicht allein der für viele unschöne Anblick der Kreuzer, welcher der Stadt zunehmend Sorge bereitet: Experten zufolge verschmutzen die Schiffe mit ihrem Öl das Meerwasser, und verschlimmern die Erosion an den empfindlichen Fundamenten, auf denen die Stadt gebaut ist. Immerhin navigieren die Kapitäne bislang wenige hundert Meter am Ufer vorbei, um den Passagieren den besten Blick auf den Markusplatz zu bescheren.

Welterbe in Gefahr

Anwohner, Kultur- und Umweltschützer klagen schon lange über Schäden, die die Riesenschiffe anrichten: Sie gefährdeten das ökologische Gleichgewicht in der Lagune, könnten historische Gebäude beschädigen und stoßen Schadstoffe aus. Außerdem spuckten sie noch mehr Touristenmassen in der Stadt aus, die sowieso schon vom Ansturm überfordert ist. Auch der Unesco sind die Kreuzfahrtschiffe schon lange ein Dorn im Auge: Die UN-Kulturschutzorganisation warnte sogar, Venedig auf die Liste der gefährdeten Kulturgüter zu setzen, wenn keine Lösung gefunden werde.

Auch andere Städte kämpfen gegen Kreuzfahrtschiffe

Dabei lebt Venedig vom Tourismus – und auch vom Kreuzfahrttourismus, viele Arbeitsplätze hängen davon ab. Seit 1997 ist dieser Zweig nach Angaben des lokalen Passagierterminals um 436 Prozent gewachsen. 2017 kamen insgesamt 36 Millionen Besucher in die Stadt – und damit 10 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Für viele davon ist eine Fahrt vorbei am Dogenpalast, am Markusplatz und den anderen Sehenswürdigkeiten Venedigs natürlich ein Highlight der Reise.

Venedig ist bei Weitem nicht die einzige Stadt, die unter dem Ansturm von Kreuzfahrtouristen ächzt. Auch in Dubrovnik in Kroatien oder auf Malta gibt es zum Beispiel Widerstände gegen diesen Boom-Tourismus.

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